13. August 2026 – Lehrkräfte verteilen reicht nicht – Sachsen muss Schule weiterentwickeln. Abordnungen können kurzfristig helfen, lösen den Lehrkräftemangel aber nicht.
Mehr als 527.000 Schülerinnen und Schüler starten in Sachsen in das neue Schuljahr. 905 Lehrkräfte wurden neu eingestellt, gleichzeitig werden erneut mehr als 5.000 Lehrkräfte abgeordnet, um Unterrichtsausfall zu begrenzen. Für den Landeselternrat Sachsen ist klar: Unterrichtsausfall muss verhindert werden – aber der Mangel darf nicht einfach von einer Schule zur nächsten verschoben werden.
„Wir begrüßen jede Maßnahme, die Unterrichtsausfall begrenzt. Aber mehr als 5.000 Abordnungen sind keine nachhaltige Lösung des Lehrkräftemangels. Sie verteilen den Mangel neu und reißen an anderer Stelle Löcher, die vorher gar nicht vorhanden waren“, erklärt Stefan Kraft, Vorsitzender des Landeselternrates Sachsen.
Besonders kritisch sieht der Landeselternrat sogenannte „Ringtausche“: An einer Schule wird eine Lehrkraft abgeordnet, gleichzeitig kommt eine andere Lehrkraft von einer anderen Schule. Rechnerisch lässt sich damit Unterrichtsversorgung darstellen. Für den Schulalltag ist die Situation jedoch eine andere.
„Schule ist Beziehungsarbeit – und Beziehungsarbeit braucht Verlässlichkeit. Wenn Lehrkräfte aus Klassen und Kollegien herausgenommen und durch andere ersetzt werden, entstehen Unruhe und neue Belastungen. Für Kinder und Jugendliche bedeutet ein Lehrkraftwechsel aber auch den Verlust vertrauter Beziehungen und gewachsener Strukturen“, ergänzt Ramona Fritzsche, stellvertretende Vorsitzende des Landeselternrates Sachsen.
Unterrichtsversorgung dürfe deshalb nicht allein daran gemessen werden, ob rechnerisch vor jeder Klasse eine Lehrkraft steht. Auch personelle Kontinuität, pädagogische Qualität und Schulentwicklung müssten berücksichtigt werden.
Nach den aktuellen Planungen des Freistaates soll ab 2032 bis 2040 schrittweise ein Abbau von rund 4.600 Lehrerstellen erfolgen. Der Landeselternrat fordert, die Jahre bis dahin nicht mit permanentem Krisenmanagement zu verbringen.
„Gerade die kommenden Jahre müssen wir nutzen, um Schule nachhaltig weiterzuentwickeln. Weniger Schülerinnen und Schüler dürfen nicht automatisch weniger Qualität bedeuten. Sie können vielmehr die Voraussetzung dafür schaffen, dass jedes einzelne Kind mehr Aufmerksamkeit und bessere Lernbedingungen erhält“, erklärt Fritzsche weiter.
Der Landeselternrat begrüßt, dass bis 2030 alle Lehrpläne überarbeitet werden sollen. Eine reine Überarbeitung von Inhalten reicht jedoch nicht aus. Sachsen brauche gleichzeitig eine Diskussion darüber, wie Lernen künftig organisiert wird.
„Wir brauchen eine neue Lernkultur. Schule kann nicht Bildung für die Zukunft gestalten, wenn wir weiterhin überwiegend mit Unterrichtskonzepten des vergangenen Jahrhunderts arbeiten. Selbstständiges und selbstreguliertes Lernen, Kooperation und eigenverantwortliches Arbeiten müssen stärker zum Alltag gehören“, erklärt Stefan Kraft.
Dafür brauchen Schulen Zeit, Fortbildung und eigene Konzepte. Der Landeselternrat fordert deshalb, Lehrplanreform und Schulentwicklung miteinander zu verbinden und Eltern sowie Schülerinnen und Schüler verbindlich in diesen Prozess einzubeziehen.
Der Landeselternrat fordert vom Kultusministerium eine langfristige Strategie, die über die reine Sicherung des Stundenplans hinausgeht: Abordnungen müssen ein zeitlich begrenztes Instrument bleiben, ihre Auswirkungen auf abgebende Schulen transparent gemacht werden. Gleichzeitig müssen die kommenden Jahre genutzt werden, um Unterrichtsqualität, individuelle Förderung und Schulentwicklung nachhaltig zu stärken.
„Ein funktionierender Stundenplan ist das Minimum, nicht das Ziel von Bildungspolitik. Wir müssen heute die Weichen dafür stellen, wie unsere Kinder im Jahr 2035 lernen. Sachsen darf den demografischen Wandel nicht nur verwalten – wir müssen ihn für bessere Bildung nutzen“, so Stefan Kraft abschließend.
