6. März 2026 – Die Diskussion um schärfere Maßnahmen gegen Schulverweigerung in Sachsen, ausgelöst durch Forderungen von Kultusminister Conrad Clemens, greift aus Sicht des Landeselternrates Sachsen deutlich zu kurz. Reine Verschärfungen von Sanktionen werden das Problem nicht lösen!
Sachsen gehört seit Jahren zu den Spitzenreitern beim Thema Schulabsentismus. Diese Entwicklung ist besorgniserregend – und sie zeigt, dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen. „Wer jetzt vor allem auf Geldbußen und ordnungsrechtliche Verfahren setzt, behandelt Symptome, aber nicht die Ursachen“, erklärt Ronald Lindecke, Vorsitzender des Landeselternrates Sachsen.
Aus Sicht des Landeselternrates gilt: Schulabsentismus hat immer Gründe. Hinter dem Fernbleiben vom Unterricht stehen häufig komplexe persönliche, familiäre, psychische oder schulische Belastungen. Leistungsdruck, Mobbing, Überforderung oder fehlende individuelle Unterstützung können entscheidende Faktoren sein. „Kein Kind verweigert ohne Anlass die Schule. Niemand darf zurückbleiben. Unser Ziel muss es sein, die Ursachen frühzeitig zu erkennen und gemeinsam mit den Betroffenen Lösungen zu entwickeln“, betont Stefan Kraft, Vorsitzender des Kreiselternrates in Dresden und Landeselternrat weiter.
Der Landeselternrat fordert daher einen konsequenten Ausbau präventiver Maßnahmen. Dazu gehören mehr Schulsozialarbeit, multiprofessionelle Teams an Schulen, engere Zusammenarbeit zwischen Schule, Jugendhilfe und Eltern sowie niedrigschwellige Beratungsangebote. Schulen brauchen Zeit, Personal und Ressourcen, um individuell auf gefährdete Schülerinnen und Schüler eingehen zu können.
„Wenn wir Schulabsentismus nachhaltig reduzieren wollen, müssen wir unterstützen statt bestrafen“, appelliert auch Michael Gerhardt, Landeselternrat aus Leipzig, der selbst in einem Schulverweigererprojekt aktiv ist und ergänzt: „Repressive Maßnahmen können im Einzelfall notwendig sein, dürfen jedoch nicht im Mittelpunkt stehen. Sie verstärken häufig den Druck auf Familien, ohne die eigentlichen Probleme zu lösen.“
Der Landeselternrat Sachsen fordert den Freistaat auf, endlich entschlossen zu handeln und eine landesweite Präventionsstrategie gegen Schulabsentismus vorzulegen. Ziel müsse es sein, jedes Kind im System zu halten, Bildungsbiografien zu stabilisieren und echte Teilhabe zu ermöglichen.
